Guten Tag,
heute ist der Welttag des Hörens. Diesen Tag möchte ich mit Euch zum ersten Mal feiern. Und was passt da für einen kleinen Buchladen besser als die Erwähnung von Stimmen, die sich mit Audiobooks und Hörspielen, um das Zuhören verdient gemacht haben.
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Obwohl es auch Gegenbeispiele gibt, ist doch die Zahl der interessanten und herausragenden Sprecher*innen keineswegs an den Fingern einer Handd abzuzählen.
Diese Auswahl ist bezogen auf ihre Reihenfolge auch keine Wertung. Eher ist sie eine Darstellung meine Geschichte als Ohrenleserin.
Für mich gehören Hörbücher unbedingt zur Literatur. Denn da liest jemand vor. Und das Vorlesen ist eine gute Vorerfahrung für das Lesen. Lesen und vorlesen können lebenslang in sich positivbeeinflussendem Verhältnis eineander wachsen. Dass mancher sich berieseln lässt, ist bedauerlich aber nur seine oder ihre Sache. Und tun gleichförmige Tätigkeiten, bei denen jemand einem Hörbuch lauscht, wirklich dem Hörerleben abbruch?
–
Jetzt aber eindlich zu meiner Geschichte als Ohrenleserin.
Als ich im Vorschulalter war, kam es häufig vor, dass niemand da war, der mir etwas vorlesen konnte. Und nicht immer war schönes Wetter. Da war es natürlich gut und bereichernd, dass ich Hörspielschallplatten anhören konnte.
Unvergessen sind die Märchenhörspiele mit Hans Pätsch und anderen Sprecher*innen, beispielsweise, Rotkäppchen und weitere Märchen. Diese Hörspielsammlung enthält sechs Märchen der Brüder Grimm.
In meiner Kindheit und Jugend folgten viele Hörspielproduktionen, in denen Hans Pätsch mit seiner außergewöhnlichen Stimme zu hören war. Die kleine Hexe, die ersten Folgen von Hanni und Nanni, er Räuber Hotzenplotz, um nur einige zu nenen.
sehr lange gab es von den unterschiedlichen Radiosendern in Deutschland Literaturlesungen. Viele von ihnen durfte ich hören. So lernte ich auch die beiden folgenden Sprecher, Gert Westphal und Christian Brückner, kennen und lieben.
Beide haben in vielen Radioaufnahmen vorgelesen. Beide haben auch ein eigenes Hörbuchlabel. Christian Brückner ist auch als Synchronsprecher bekannt.
Als Beispiel für das Wirken von Gert Westphal habe ich seine Lesung Buddenbrooks: Verfall einer Familie von Thomas Mann ausgeesucht. Vor vielen Jahren habe ich diese Aufnahme im Radio verfolgt.
Bedauerlicherweise war es seiner Zeit eine gekürzte Fassung. erben und Produzenten haben sich dazu entschieden die Stimme von Gert Westphal mit KI für die fehlenden secchs Abschnitte zu klonen. Ich werde mir aber die bearbeitete Fassung anhören, um herauszufinden, wie gut oder schlecht das gelungen ist. Das Klonen von Stimmen ist sicherlich einer Diskussion würdig. Aber das ist hier nicht der rechte Platz.
Christian Brückners Vater arbeitete beim Westdeutschen Rundfunk. Und so hatte er als Junge schon die Chance bei Hörspielen mitzusprechen. Und über mehrere Jahrzehnte lieh er Schauspielern und Sprechern im Fernsehen und Kino seine Stimme. Und ist mit Recht einer der erfolgreichsten Hörbuchsprecher im deutschsprachigen Raum.
Ausgesucht habe ich Novecento: Die Legende vom Ozeanpianisten, die bei Schum – sprechende Bücher herausgekommen ist und als CD nur noch antiquarisch verfügbar ist. aber ab und zu zu schauen, ob wieder neue Gebrauchte verfügbar sind.
Diese Version ist die zweite Lesung, die Steinbach von diesem text veröffentlicht hat. Die erste Version wurde von Friedrich Schönfelder gelesen, der ebenfalls viele Jahrzehnte als Sprecher und Synchronstimme bekannt war und eine hervorragende Lesung der Legende geschaffen hatte, vor allem auch, weil er zur Zeit der Lesung schon über 80Jahre alt war.
Doch Frauen dürfen in dieser ersten Sammlung hervorragender Lesestimmen nicht fehlen. Eine von den beiden, die ich ausgesucht habe, lebt bedauerlicherweise auch schon nicht mehr. Franziska Pigulla wurde nur 54 Jahre alt.
Ich kannte sie zunächst nur als Synchronsprecherin. Sie war die deutsche stimme der Rechtsmedizinerin in der Serie Akte X. Auch in der Dokumentationsserie Autopsie war sie zu hören.
Von ihr habe ich das erste Buch, was ich von ihr hören konnte, die Schuldlosen von Petra Hammesfahr, ausgesucht. es ist leider eine gekürzte Fassung. – Ob das wirklich immer nötig ist? – Wie wird entschieden, was gekürzt wird? –
Es muss im Jahr 2018 oder auch 2019 gewesen sein, als ich zum ersten Mal die Stimme von Gabriele Blum hörte. Sie hat inzwischen sehr viele Hörbücher gelesen, zum Beispiel, Jane Aire. Was ich ausgewählt habe, ist ebenfalls ein historischer roman, Miss Austin: Die Geheimnisse zweier Schwestern von Gill Hornby. In diesem Buch geht es um die Briefe der Autorin Jane Austin, die ihre Schwester nach langer Zeit findet, darum, was sie mit diesem erbe anfängt und erlebt.
Ich wünsche Euch gute Unterhaltung mit diesen ausdrucksstarken Stimmen. Wie gesagt, da gibt es noch mehr. Hoffentlich können wir im nächsten Jahr auch noch den Welttag des Hörens miteinander begehen. Und vielleicht gibt es dann auch noch die eine oder andere Neuentdeckung.
Herzliche Grüße
Christiane (Paula Grimm)