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Guten Tag,

als ich wieder einmal mit der Information zu meinem Neurologen kam, dass ich noch keine Therapeutin oder noch keinen Therapeuten gefunden habe, sagte er:
„Sie können sich eben keine Therapeutin oder keinen Therapeuten backen.“
„Oh, wie wahr!“, dachte ich so bei mir.
Wo kommt das eigentlich her, dass man sich backen kann, was man braucht? Die Grundidee ist wohl recht weit verbreitet, wie der folgende Karnevalsschlager zeigt:
In der Männerbäckerei, Karnevalsschlager
‘naja, ganz lustig. Aber hilft noch nicht einmal bezogen auf die Herren der Schöpfung weiter, oder?’ 😉

Es kam für mich immerhin zu drei Besuchen bei Therapeutinnen. Die erste Dame erkrankte selbst langfristig. Die zweite lobte mich weg, weil sie tatsächlich nicht mit mir arbeiten wollte. Und die letzte Frau wollte gern mit mir arbeiten. Aber es stellte sich heraus, dass sie längere Zeit eine Kollegin vertreten musste und keine Kapazitäten frei hatte. Das tat besonders weh. Denn ich weiß sicher, dass sie wirklich gern mit mir arbeiten wollte.
Natürlich weiß ich, dass ich erneut suchen müsste. Aber da ist er wieder, der alte hartnäckige Gedanke, der ursprünglich natürlich nicht von mir stammt:
„Du genügst nicht.“

Schließlich hatte mir die mittlere Therapeutin zu verstehen gegeben, dass ich nicht genüge, nur klare Fragen beantworten könnte und dabei auch noch Bewegungsstereotypen zeige.
„Wo ich herkomme, da redet man nicht über sich und schon gar nicht über sein Empfinden.“
Irgendwann schaffe ich es sicher, wieder mit der Suche zu beginnen. Denn eins ist klar: Wenn ich auf Dauer einigermaßen im Frieden mit mir selbst leben will, brauche ich mehr als diese Reha vom 05.10.2026 bis zum 13.11.2026, damit es mir nicht nach und nach noch schlechter geht als bisher.
Wie also backt man sich eine Therapeutin oder einen Therapeuten? Wie muss man sein, dass man die ersten Gespräche übersteht und für die passende Zeit konstruktive Gespräche führen kann?

Wie backe ich mir einen geeigneten Arbeitsplatz? Für mich kommt auf lange Sicht nur eine Arbeit im Homeoffice oder mit dem Hauptteil im Homeoffice in Frage. Ansonsten drehe ich wieder durch, zappele, bringe kein Wort heraus, erstarre oder vergesse, was ich jetzt tun soll.
Kann man sich selbst eine Arbeit machen? Es sollte eine Arbeit sein, bei der ich genüge. Das ist schon viel verlangt. Schließlich genüge ich nie.

Aber ich habe es immerhin geschafft, diesen Blog und den Shop monatelang zu pflegen. Fehlerfrei und ganz so, wie er sein soll, ist er nicht. Dennoch entwickelt er sich von Tag zu Tag. Und darüber hinaus habe ich einen Rhythmus mit vielen Pausen gefunden, der Fortschritte und das Weitermachen für mich möglich macht. Denn das Gute an dieser Arbeit, am Schreiben an sich, ist: Man kann immer aufhören und speichern, wenn es gerade nicht geht.
‘Aber genüge ich damit? Genüft das?’

Was ich brauche, ist eine Therapie, die mir eine längere Zeit regelmäßig hilft. Und was ich brauche, ist eine Arbeit mit Beratung, Schreiben etc. im Homeoffice oder doch weitgehend in einer Umgebung, in der ich unbeobachtet bin.
Meine Freundin Gesa sagte mal: „Auch die kleinen blinden Kinder wollen nur gesehen werden.“

„Ich fürchte, auf mich trifft das nicht zu.“
Wie mich der Gedanke ängstigt, in der Reha wieder in „Massenhaltung“ zu sein. Die Schreckensdimension kann ich gar nicht angeben.
„X auf der nach oben offenen Angst- und Peinlichkeitsskala.“
Angst macht nicht nur ein Gefühl der Enge. Sie hat auch ein Gewicht. Und ihre Konsistenz auf allen bekleideten und unbekleideten Stellen der Haut ist klebrig und so zähflüssig, dass man sich schmutzig fühlt und sie nicht abfließt.
„Waschen vergebens, vollkommen vergebens.“
Was hilft?

Und auch gerade jetzt zeigt es sich, wie nützlich die Speichermöglichkeit ist. Ich bin dann jetzt erst einmal wieder weg.

Gruß
Die Chris

Veröffentlicht von Paula

Dies ist das Blogprojekt und die Website der vollblinden Autorin Paula Grimm. Der Autorenname ist ein Pseudonym, das die Verfasserin von Blogs, Podcast und büchern seit 2012 nutzt. Mit ihrem Autorennamen ehrt sie ihre Mutter. Diese verstarb im Jahr 2010. Einer ihrer Vornamen war Paula und der Mädchenname lautete Grim m.

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